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Benedikt XVI.: Der Wirtschaft muss eine Ethik zu Grunde liegen
Eure Heiligkeit, die Zeiten ändern sich. Europa und die westliche Welt ganz allgemein leben in einer tiefen Wirtschaftskrise, die aber auch die Dimension des tiefen sozialen und moralischen Unbehagens offenbart und die große Unsicherheit für die Zukunft, die besonders für die Jugendlichen schmerzlich ist. In den vergangenen Tagen haben wir beispielsweise gesehen, was in Großbritannien geschehen ist, mit Aufständen und Aggressivität. Gleichzeitig gibt es auch Zeichen von großzügigen und enthusiastischen Bemühungen von Freiwilligen und Solidarität von jungen Gläubigen und Nicht-Gläubigen. In Madrid werden wir viele wunderbare Jugendliche treffen. Welche Botschaft verkündet die Kirche als Hoffnung und Ermutigung für die Jugend der Welt, vor allem jenen, die heute entmutigt sind und rebellieren? Nun, in der momentanen Wirtschaftskrise zeigt sich das Gleiche, was sich auch in den vergangenen großen Krisen gezeigt hat: dass die ethische Dimension nicht etwas ist, was außerhalb der wirtschaftlichen Probleme liegt, sondern etwas Inneres und Grundlegendes ist. Die Wirtschaft funktioniert nicht nur durch eine eigenständige Marktregulierung, sie benötigt eine ethische Vernunft, um im Sinne des Menschen zu funktionieren. Es zeigt sich von neuem, was schon Johannes Paul II. in seiner ersten Enzyklika gesagt hat, dass der Mensch das Zentrum der Wirtschaft sein muss, und dass die Wirtschaft nicht nur an der Gewinnmaximierung gemessen werden kann, sondern dem Gemeinwohl aller gerecht werden muss; dazu gehört auch die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Sie funktioniert wahrhaft gut nur im Respekt vor dem Nächsten in seinen verschiedenen Dimensionen: Verantwortung für die eigene Nation und nicht nur für sich selber; Verantwortung für die Welt –auch die Nation, auch Europa stehen nicht für sich allein, sondern sind auch verantwortlich für die eigene Humanität, und müssen die ökonomischen Probleme immer unter dem Gesichtpunkt dieser Verantwortlichkeit für andere Teile der Welt angehen, für jene, die leiden, die Hunger und Durst erleiden müssen, die keine Zukunft haben. Damit ist die dritte Dimension dieser Verantwortung die Verantwortung die Zukunft. Wir wissen, dass wir unseren Planeten schützen müssen, aber wir müssen –alles in allem- auch das Funktionieren des Dienstes der wirtschaftlichen Arbeitsmöglichkeit für alle schützen und daran denken, dass das Morgen auch das Heute ist. Wenn die Jugendlichen von heute keine Perspektive für ihr Leben finden, dann ist auch unser Heute verkehrt und „schlecht“. Schließlich eröffnet die Kirche mit ihrer Soziallehre, mit ihrer Lehre der Verantwortung vor Gott, die Fähigkeit, dem maximalen Profitdenken zu entsagen und in den Dingen die humanistische und religiöse Dimension zu erkennen, das heißt, füreinander da zu sein. Nur so können wir die Wege für die Zukunft eröffnen. Die große Anzahl der Freiwilligen, die in den verschiedenen Teilen der Welt nicht für sich, sondern für den Nächsten arbeiten, findet auf diese Weise den Sinn des Lebens und zeigt, dass es möglich ist, so zu handeln. Eine Erziehung zu diesen großen Zielen, wie die Kirche sie versucht, ist grundlegend für unsere Zukunft.
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